StartseiteSchlaraffiaVademecumBögeholzGästebuchServiceVideo/Audio/Archive

Schlaraffia:

Was ist Schlaraffia

Internationale Presse

Deutsche Presse

Meinungen

Deutsche Presse:

LZ Lüneburg

DEWEZET

Cellesche Zeitung

Weser Kurier

Allgemein:

Startseite

Impressum

Kontakt

Sitemap


CZ Logo



Lokales Mittendrin
Von Oberschlaraffen und Sippungen



Reges Vereinsleben im Verborgenen

Wer bei dem Begriff „Schlaraffen“ an Bewohner eines märchenhaften Landes denkt, denen die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, liegt falsch. Die Schlaraffen sind ein Männerbund, den es auf allen Kontinenten gibt. Übereinstimmend sind Sitten und Gebräuche sowie die Sprache – Deutsch.

„Uhu — LuLu" schallt es durch den kleinen Raum. An den Tischen sitzen Herren meist gesetzten Alters und in bunten Gewändern. Vorne an der Stirnseite ist eine Art Thron aufgebaut. Noch hat ihn niemand inne, aber um ihn herum stehen drei blau-weiß-gewandete Herren in ein Gespräch vertieft.Ich bin als Gast bei den Celler Schlaraffen und nehme Teil an einer Sitzung. Schon diese Bezeichnung ist falsch, denn die heißt Sippung. Der Oberschlaraffe — er führt diese Bezeichnung voller Ernst — hatte mich vorher in einem langen Gespräch ein wenig mit den Sitten und Gebräuchen bekannt gemacht. Sie sind festgelegt in einem dicken Buch, das die eigene Sprache mit den festgelegten Ausdrücken beschreibt und Ceremoniale festlegt.Die Schlaraffen in Celle bilden das Reych Cell-Erika und versammeln sich freitags. Sie haben ein reges Vereinswesen, doch ist es Uneingeweihten nicht bekannt. „Unsere Pressearbeit wurde bisher eher behutsam geführt“, sagt dazu der Oberschlaraffe Ritter Don Immo-nett — profan Klaus Wilharm — mit leicht selbstkritischem Unterton.

Seltene kultische Handlung:  Der Ritterschlag
So wurden an diesem Freitag im ersten Teil ihrer Sippung formelle vereinsinterne Dinge abgewickelt, jedoch in stets verballhornter Form. Dann allerdings rief Don Immo-nett zum Ritterschlag. Diese fast kultische Handlung ist Schild Cell-Erikarelativ selten und wird nach einem genau festgelegten Ablauf ausgeführt. An diesem Abend standen sogar zwei Knappen zum Empfang des symbolischen Ritterschlages an, nämlich Peter Waschnitzko und Thomas Deits. Sie sollten aufrücken zum höchsten Stand, den ein Schlaraffe erreichen kann.Doch der Weg zum Ritter ist weit. Als Pilger schaut man sich allgemein die Schlaraffen zwei- bis dreimal an, dann ist man Prüfling. Er wird nach rund drei Wochen, so keine Einwände seitens der Gemeinschaft erhoben werden, durch geheime Abstimmung zum Knappen gekürt. Dabei erfolgt das Eintauschen des Namens mit einer Nummer. Durch weitere Prüfung wird der Knappe zum Juncker. Dieser Status hat Bestand bis zum Ritterschlag, der in zwei bis drei Jahren erfolgen kann. Immerhin bekommt der Knappe einen Paten, der ihn während dieser Zeitspanne in das schlaraffische Leben vertieft einweist und begleitet.Jetzt war der große Augenblick gekommen, in dem der Zeremonienmeister — Anrede mit Euer Formalien — alle 50 Anwesenden zum Erheben aufforderte. Der Marschall schlug einen großen Gong (Tam-Tam genannt), Fanfaren wurden geblasen und letztlich die beiden Juncker vorgestellt. Der Oberschlaraffe — Anrede Eure Herrlichkeit — befragte eine Reihe weiser Räte und hielt eine Festrede auf beide anstehenden Ritter. Sie schwörten die Treue zum Reyche. Dazu legten beide die Hand auf einen hölzernen Uhu und riefen laut „Ich gelobe“. Danach knien beide Aspiranten nieder und empfangen durch „seine Herrlichkeit“ den Ritterschlag. Genaugenommen sind es drei mehr angedeutete Streiche, die auf beide Schultern und den Rücken erfolgten. Angestrengt und ernst beobachteten alle Stehenden das bedeutungsschwere Tun. Die Einkleidung schloss sich an. Dabei bekommen die frischen Ritter in einer langwierigen Prozedur den Rittermantel in den Farben des Ryches (für Cell-Erika ist es blau-weiß) umgehängt sowie den Helm aufgesetzt, der einer Narrenkappe sehr ähnelt. Das Ganze geht mit viel Zustimmung durch „Uhu“ oder „Aha“ vor sich. Letztlich bekommen die nunmehr in den Ritterstand Aufgenommenen ihre Ritternamen, die sich irgendwie auf Vorlieben, Berufe oder Hobbies beziehen. An diesem Tage erhielt der vormalige Knappe Thomas den Namen „Ritter Schwermetall, der närrische Rostrastürmer“, während aus dem Knappen Peter nunmehr „Ritter van Gogh, der Filou“ hervorging.

Mit der Rüstung ist man im Spiel drin
Die Handlungen dauerten eine gute Stunde. Eigenartig war die Mischung aus Heiterkeit und Ernst. Sie ließ keine lautstarke Fröhlichkeit aufkommen, allerdings fehlte ebenso die alkoholdurchwirkte Steifheit, die phasenweise sogar auf Prunksitzungen von Karnevalsvereinen herrscht. „Wir haben mit einem Karnevalsverein einige Berührungspunkte“, gestand der frisch geschlagene Ritter Schwermetall. Er kann es als geborener Rheinländer und diesjähriger Prinz Karneval von Celle beurteilen. Dem widersprach mein ritterlicher Nachbar: „Schlaraffia ist einzigartig. Wir unterscheiden uns doch sehr von einem Karnevalsverein“.Die Lust am Verkleiden, das gesamte höfisch anmutende Zeremoniell geht offenkundig zurück auf die Gründer, die als Theaterleute gewohnt waren, in Kostüme zu schlüpfen und Rollen zu spielen. Die spezielle Kleidung erfülle den Zweck, sich deutlich vom Alltag zu lösen. Mit der Rüstung ist man im Spiel drin, lautet die Erklärung, denn erstens legt ein Schlaraffe keine Kleidung an, sondern eine Rüstung. Zweitens offenbart dieser Ausspruch, wie die Schlaraffen ihr Gehabe selbstironisch einschätzen: Ein Spiel ist es, gepaart mit Spaß am Verkleiden, um mit Freude in eine Rolle zu schlüpfen.„Wenn man in die Burg kommt, fällt die profane Schlacke ab“, meinte dazu Ritter Schwermetall. Übersetzt heißt das, im Gemeinschaftsraum ist man(n) unter sich und vergisst die Sorgen des Alltages. Das sei ein ganz wesentlicher Faktor, der das Verhalten untereinander außerordentlich positiv bestimme. „Schlaraffia stiftet lebenslange Freundschaften“, meinte Ritter Don Immo-nett und setzt hinzu: „Einmal Schlaraffe — immer Schlaraffe“.Er muss es ja wissen, denn als Oberschlaraffe ist er schließlich unfehlbar — zumindest für die Celler Schlaraffen während der Sippungen.

Von Udo Genth
© Cellesche Zeitung

Text unverändert von der   Web-Site der CZ    übernommen.
Auf Berichtigungen oder Richtigstellungen jedweder Art wurde bewusst verzichtet. (DIN) - 31.08.2004



Schlaraffen 

Unser Jk Frank hat eine Meinung zu diesem Bericht.