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Aufgezeichnet von Jk Frank, 346

Schlaraffen, hört!



Alle fünf Jahrungen findet das „Allschlaraffische Concil“ statt – zuletzt zum 23. Male, und zwar a. U. 145 in Lulucerna, einem Mitglied im Landesverband Schlaraffia Helvetica.

Wer zu Beginn der Winterung a. U. 145 nicht zufällig in unserer Heideburg zugegen war, als unser viellieber
Rt. Monitor als einer der zahlreichen Besucher des „Concils“ eine kleine Zusammenfassung der Großveranstaltung fechste, wird zumindest einen kleinen Einblick gewonnen haben beim Lesen der „Schlaraffia Zeyttungen“ Numero 8 (erschienen am 15. im Windmond a. U. 145): In Schlaraffia bewegt sich etwas ...
Und selbst wer das alles nicht mitbekommen haben sollte, wird es spätestens beim Anblick der „ Schlaraffia Zeyttungen “ Numero 1 (erschienen am 15. im Eismond a. U. 146) - deren jüngste Aufmachung ein Ergebnis des „Concils“ ist - wie ein Vorschlaghammer getroffen haben: In Schlaraffia bewegt sich etwas ...
Im Profanen sind wir ja zuweilen recht froh darüber, wenn sich hier und da etwas regt und bewegt, weil dies Fortschritt bedeutet, und Fortschritt bringt die Menschheit weiter: Wenn unsere Politiker etwas Positives bewirken; wenn Gesetze erlassen werden, die in den unterschiedlichsten Bereichen Lockerungen oder Verschärfungen bedeuten; wenn sich bei der und durch die Besteuerung von Einkommen und Gewinnen, von Mineralöl oder Tabakwaren etwas ändert; oder wenn es zu wichtigen Errungenschaften in Wissenschaft und Technik kommt, die schließlich dazu geführt haben, daß wir gesünder sind denn je und älter werden denn je ...
Aber was bedeuten Veränderungen in Schlaraffia? Nun, mittlerweile hat beispielsweise das Internet in zahlreiche Reyche Einzug gehalten: Eine Entwicklung, die insofern zu begrüßen ist, als sie jedem Schlaraffen, sofern er denn dem Computer gegenüber aufgeschlossen ist, Einblicke geben kann in das Wirken anderer Reyche, die so weit entfernt sind, daß er sie vielleicht sein Lebtag nie wird besuchen können. Die Computertechnik macht es möglich, daß Reyche weltweit ohne große Zeitverluste miteinander kommunizieren können. Aber das ist auch alles: Durch den Computer wurde lediglich die Bandbreite der Kontaktmöglichkeiten vergrößert (was allerdings nicht gleichsam auch bedeutet, daß sich dadurch womöglich die Qualität des Kontaktes verbessert hat!).
Ansonsten sind Veränderungen in der Schlaraffia – sofern diese nicht über sinnvolle Modifizierungen der „Spielregeln“ hinausgehen – wohl eher schädlich. Wohin, bitteschön, soll denn das führen!? Wenn Schlaraffia sich immer mehr dem profanen Zeitgeist anzupassen willens ist!? Zunächst ist das Schlaraffentum ein Spiel, das auf einer Zeit basiert, die rund 150 Jahre zurückliegt, einer Zeit, da es Ritter, Junker, Knappen gab, da es eine bestimmte (deutsche) Sprache gab, da es gewisse Gepflogenheiten im mitmenschlichen Umgang gab.

Schlaraffia ist ein Spiel mit bestimmten Regeln. Man stelle sich einmal das einfache profane Spiel „Mensch, ärgere dich nicht!“ vor, dessen Regeln sich im laufe der Zeit – zeitgemäß - immer mehr verändern würden: So müsste beispielsweise eine bestimmte gewürfelte Augenzahl zum Rausschmiß einer gegnerischen Figur führen; aber durch Bestechung mit soundsoviel Euro jedoch würde gewährleistet, daß dies nicht passiert ... Was wäre denn das dann noch für ein Spiel!? Jedenfalls keines, das den Namen „Mensch, ärgere dich nicht!“ verdient, sondern wohl eher so etwas wie „Mensch, bereichere dich!“ ...
Würde man Schlaraffia – zeitgemäß – sich immer weiterentwickeln lassen, würde das schlaraffische Spiel als Spiegel einer bestimmten Zeit dann irgendwann zwangsläufig auf der heutigen Zeit, dem angefangenen 21. Jahrhundert, basieren: Neben den dann ewiggestrigen Rittern, Junkern und Knappen hätten wir es vornehmlich nur noch mit oberflächlichen Zeitgenossen zu tun, die schnell aneinander vorbei lebten, die zunehmend die Orientierung, Normen und Werte verlören, die von nichts als dem Mammon regiert würden: Inhalt des schlaraffischen Spiels wären dann nur noch Politiker, hochbezahlte Manager, Lobbyisten, fanatische Anhänger gewisser Religionen, Fußballspieler, Formal I-Rennfahrer, Superstars; das Fernsehen würde eine große Rolle spielen, und die dort gezeigten unsäglichen „Reality-Soaps“ würden Bestandteil vieler Fechsungen werden ...
Ist es nicht gerade so, daß wir, wenn wir uns zur Sippung in der Burg versammeln, auch etwas Ablenkung suchen und etwas völlig anderes leben wollen!? Und gerade heutzutage gilt: Ablenkung von einem Leben und einer Zeit, die immer mehr an uns vorbeizurauschen scheinen!? Ist das, was „Spiegel und Ceremoniale“ bislang hergegeben haben, nicht genau das, was wir eigentlich von Schlaraffia erwarten und an Schlaraffia lieben, was uns als Schlaraffen ausmacht und uns vom profanen Rest der Welt unterscheidet?
Mit dem Erscheinungsbild der neuen „Schlaraffia Zeyttungen“ (das eher an eine moderne Illustrierte erinnert als an ein Sprachrohr der Schlaraffen) bewegen wir uns als Schlaraffen jedenfalls schon gewaltig auf ganz dünnem Eis: Denn das könnte der Anfang einer unschönen Entwicklung sein.
Da kann man fast schon mit dem geradezu historischen Satz schließen: Wehret den Anfängen!
P. S.: Und wenn man schon etwas verändern möchte / dürfte / wollte / müßte / könnte / sollte, dann dies: Jeder Schlaraffe sei aufgerufen, vermehrt daran zu arbeiten, daß er unseren sehr hohen (und von daher nie zu 100 Prozent erreichbaren) Idealen – Kunst, Freundschaft, Humor und auch Toleranz - in höchstmöglichem Maße entspricht. Und daß er vermehrt der (alten) deutschen Sprache - und nicht den immer zahlreicher werdenden Anglizismen - frönt. Das sind Veränderungen, die sich wirklich lohnen!

Lulu!

Jk Frank , 3. Tag im Hornung a. U. 146